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Urologische Gemeinschaftspraxis
Dr. med. Joachim Rothamel
Dr. med. Thomas Nippold
Dr. med. Matthias Fretschner
Annastr. 8-10, 86150 Augsburg, Tel. 08 21 / 51 22 00, Fax 08 21 / 15 74 32
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Vorsorgeuntersuchung beim Mann

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten ihren Versicherten ab dem 45. Lebensjahr eine Krebsvorsorgeuntersuchung an. Diese umfasst neben der Befragung über Beschwerden und Symptome eine rektale Untersuchung zur Beurteilung der Prostata und des Rektums, sowie eine Blutdruckmessung und ab einem bestimmten Alter einen Haemoccult-Test zur Überprüfung ob Blut im Stuhlgang vorhanden ist.
Urinuntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen oder Laboranalyse zur Früherkennung von Erkrankungen der Nieren, Harnblase und Prostata oder Hoden sind hierbei nicht vorgesehen. Wir empfehlen daher, eine erweiterte Krebsvorsorgeuntersuchung für den Mann, insbesondere im Hinblick auf die steigende Anzahl der Prostatakarzinom-Erkrankungen.
Eine Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) kann auf einen Prostatakrebs hinweisen, lange bevor dieser mit dem Finger zu tasten ist oder Beschwerden verursacht. Etwa 80% der Prostatakarzinom-Erkrankungen werden ausschließlich über diesen PSA-Wert entdeckt. Gerade beim Prostatakarzinom das lange asymptomatisch bleiben kann ist eine Früherkennung für die weitere Therapie und Prognose entscheidend.
Die Ultraschalluntersuchung von Nieren, Harnblase, ggf. mit transrektalem Ultraschall der Prostata zur Bestimmung des Prostatavolumens und Erkennen auffälliger Veränderungen sollte die Vorsorgeuntersuchung komplettieren. Auch eine Urinuntersuchung, ggf. erweitert durch einen Blasentumor-Suchtest (NMP22) ist im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung empfehlenswert.
Ultraschall (Sonographie)

Bei der Ultraschalluntersuchung werden Schallwellen mit sehr hoher Frequenz in den Körper geleitet und deren Reflexion an den entsprechenden Organen des Körpers registriert und in einem Bild dargestellt.
Ultraschall des Abdomens
Bei der Ultraschalluntersuchung des Abdomens wird insbesondere Leber, Gallenblase, Milz, Bauchspeicheldrüse, Nieren, Harnblase, Lymphknoten und die Gefäße beurteilt. Man kann auf diese Weise z.B. Raumforderungen, Zysten oder Steinleiden erkennen. Auch Veränderungen der Gefäße wie z.B. der Aorta (Bauchschlagader) und der großen Hohlvene können festgestellt werden.
Transrektaler Ultraschall (TRUS)

Die transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS) erfolgt durch den Enddarm mit einer speziellen etwa fingerdicken Ultraschallsonde. Mit dieser Untersuchung ist insbesondere eine sehr gute Darstellung der Prostata und der Samenblasen möglich. Hierbei ist die Größenbestimmung der Prostata gut möglich, außerdem lassen sich Veränderungen wie zum Beispiel Prostataabszesse oder Verkalkungsstrukturen gut nachweisen.
Auch bei der Entnahme von Prostatagewebsproben wird die transrektale Ultraschalluntersuchung angewandt und die Proben unter sonographischer Kontrolle entnommen.
Doppler Sonographie (Duplex)

Mit der Duplex-Sonographie lassen sich die Strömungsverhältnisse im Bereich der Gefäße nachweisen. Mit diesem Verfahren kann daher folgendes beurteilt werden:
- die Durchblutung des Organs sowie die Strömungsrichtung des Blutes
- Gefäßeinengungen
- Gefäßwandveränderungen
- Unterscheidungsmöglichkeit von durchblutetem Gewebe (z.B. Tumoren) und nichtdurchblutetem Gewebe (z.B. Zysten)
Röntgendiagnostik
Ausscheidungsurographie (IUG)

Die Ausscheidungsurographie ist eine Röntgenuntersuchung der ableitenden Harnwege. Mit Hilfe eines Röntgenkontrastmittels, das in die Vene eingespritzt wird, kann das komplette Harnsystem von den Nieren ausgehend über Nierenbecken sowie Harnleiter und Harnblase sichtbar gemacht werden.
Das in die Vene eingespritzte Kontrastmittel wird über die Nieren ausgeschieden und kann dann auf dem Röntgenbild dargestellt werden. Die Beispielabbildung zeigt eine Röntgenaufnahme nach Kontrastmittelgabe, hier stellt sich das Kontrastmittel als helle Struktur dar. Erkennbar auf diesem Bild beide Nieren, sowie die Harnblase und Anteile des Harnleiters. Die helle Abbildung entsteht dadurch, dass Röntgenkonrastmittel die Röntgenstrahlen absorbiert, die Röntgenstrahlen die Röntgenplatte also nicht schwärzen können. Aus gleichem Grund stellen sich auch die Knochen als hellere Strukturen dar, da die Knochen ebenfalls die Strahlen stärker absorbieren als das Weichteilgewebe.
Das Ausscheidungsurogramm wird angewandt, um Erkrankungen der Harnwege zu diagnostizieren:
- Tumore im Bereich der Nieren und Harnwege
- Abklärung einer Mikrohämaturie
- weitere Abklärung von Harnabflussstörungen
- Nieren- und Harnleitersteine
Urethrocystographie (UCG)
Die Urethrocystographie ist eine Röntgenuntersuchung der männlichen Harnröhre mit Hilfe eines Röntgenkontrastmittels, das über Katheter in die Harnröhre eingebracht wird, dadurch kann der Verlauf der Harnröhre und die Harnblase beurteilt werden. Diese Untersuchung wird insbesondere dann angewandt, um Engstellen (Stenosen) der Harnröhre zu diagnostizieren.
Miktionscystographie (MCU)
Die Miktionscystourethrographie ist eine Röntgenuntersuchung bei der die Harnblase zunächst mit Kontrastmittel gefüllt wird. Die Röntgenaufnahme erfolgt dann auch zum Zeitpunkt der Miktion (Wasserlassen). Diese Untersuchung wird angewandt um eine Blasensenkung oder einen Reflux des Urins (Aufsteigen des Urins in die Harnleiter) zu diagnostizieren. Außerdem kann bei Jungen mit Verdacht auf Harnröhrenklappen diese Methode eingesetzt werden.
Untersuchungen/Diagnostik
Bei der Endoskopie werden Körperhöhlen und Körpergänge mit einem speziellen Instrument (Endoskop) untersucht. Das Endoskop ist dabei mit einer Lichtquelle sowie optischem Instrumenten versehen, so dass die Darstellung der Körperhöhlen und Körpergänge möglich ist.
Cystoskopie (Blasenspiegelung)
Bei der Cystoskopie wird sowohl die Harnröhre, als auch die Harnblase mit einem Endoskop untersucht. Hierfür wird zunächst in die Harnröhre ein Gleitmittel gespritzt und das Gerät vorsichtig über die Harnröhre unter Sicht sowie kontinuierlichem Spülstrom mit keimfreier Flüssigkeit (Kochsalzlösung) vorgeschoben.
Bei Frauen ist dies aufgrund der anatomischen Gegebenheiten mit der relativ kurzen und geraden Harnröhre einfach. Beim Mann ist die Untersuchung aufgrund der längeren männlichen Harnröhre sowie der anatomischen Verhältnisse mit starren Instrumenten schwieriger durchzuführen. Daher führen wir bei Männern in der Regel die Harnblasenspiegelung mit flexiblem Endoskopen durch. Hierbei wird das Bild auch mit einer Kamera auf einen Monitor übertragen, so dass der Patient den Verlauf der Untersuchung mit beobachten kann. Es können dann krankhafte Befunde direkt bei der Untersuchung dem Patienten am Bild erklärt werden.
Eine Cystoskopie ist vor allem zur Abklärung einer Hämaturie (Blut im Urin) notwendig, außerdem bei Verdacht auf Harnblasentumoren oder im Rahmen der Nachsorge bei Zustand nach Harnblasentumoren regelmäßig durchzuführen. Auch rezidivierende (wiederkehrende) Entzündungen der Harnblase stellen nach Infektsanierung eine Indikation (Notwendigkeit) zu dieser Untersuchung und Harnröhrenkalibrierung dar. Bei der Cystoskopie können auch Verengungen der Harnröhre, Prostatahyperplasie (Prostatavergrößerung) sowie Blasensteine gesehen werden. Bei unklaren Schleimhautverhältnissen kann auch eine Probeentnahme erfolgen.
Prostatabiopsie
Die Prostatastanzbiopsie wird bei Verdacht auf Prostatakarzinom durchgeführt. Insbesondere erhöhte PSA-Werte oder ein auffälliger transrektaler Tastbefund der Prostata werden durch eine Prostatastanzbiopsie weiter abgeklärt.
Die Prostata (Vorsteherdrüse) liegt direkt unterhalb des Harnblasenhalses und umschließt die Harnröhre über eine kurze Strecke. Im Bereich dieser prostatischen Harnröhre münden auch die Einführungsgänge für die Samenflüssigkeit. Die Prostata ist direkt vom Rektum (Enddarm) aus gut zu tasten, da sie dem Rektum direkt anliegt.
Aufgrund dieser anatomischen Verhältnisse hat sich die Gewebeentnahme durch das Rektum (transrektal) durchgesetzt. In der Regel werden sonographisch gesteuert transrektal mit einem Schussapparat die Proben aus der Prostata entnommen. Hierbei wird eine dünne Nadel mit einer Einkerbung in die Prostata vorgeschossen und eine Hohlnadel vorgeschoben, so dass das Gewebe in der Einkerbung der Innennadel zum Liegen kommt und entnommen werden kann. In Abhängigkeit der Prostatagröße werden dabei mehrere Proben entnommen. Die weitere pathologische Untersuchung (feingewebliche, mikroskopische Untersuchung) kann dann zwischen gutartigem und bösartigem Prostatagewebe entscheiden.
Urologische Labordiagnostik

- Analyse des Hormonstatus (Testosteron, LH, FSH, Prolaktin)
- Bestimmung von gesamt PSA und freiem PSA
- Bestimmung anderer Laborparameter in Zusammenarbeit mit externem Labor (Dr. Schottdorf)
- Bestimmung von Hämoglobin, Erythrozyten, Leukozyten, Blutsenkung (BKS)
- Urinuntersuchung mittels Teststreifen und mikroskopischer Sedimentbeurteilung
- Urintumormarkeranalyse (NMP22)
- Medizinische Mikrobiologie (bei Infektionen mit Bakterien und Pilzen) und Erregererkennung sowie Antibiogramm und Färbung (siehe auch Bakteriologie)
- Beurteilung der Spermienqualität (Spermiogramm, siehe auch Andrologie)
Die Qualität unserer selbsterbrachten Laboranalysen wird in regelmäßigen Abständen durch die Teilnahme an externen Versuchsreihen (Ringversuche) gesichert.
Andrologie
Testosteronmangel beim Mann im Alter
Testosteron spielt als das wichtigste männliche Sexualhormon für viele körperliche und psychische Vorgänge beim Mann eine große Rolle. Mit zunehmendem Alter nimmt die Testosteronkonzentration aufgrund physiologischer und krankheitsbedingter Vorgänge im Blut kontinuierlich ab. Dieser verringerte Testosteronspiegel führt zu einer Reihe von Veränderungen. Hierzu gehören Veränderungen in der Muskel- und Leistungskraft, Veränderungen im Sexualverhalten und eine Verminderung der Knochendichte.
Die Diagnose Testosteronmangel kann aufgrund der Beschwerdesymptomatik in Verbindung mit Nachweis des erniedrigten Testosteron-Wertes im Blut gestellt werden. Dabei sollte ausgeschlossen werden, dass andere Erkrankungen für die Symptome verantwortlich gemacht werden können.
Bei entsprechender Beschwerdesymptomatik und Nachweis eines erniedrigten Testosteronspiegels im Blut kann Testosteron substituiert werden. Zuvor muss jedoch ein Prostatakarzinom ausgeschlossen werden, da eine Testosteronsubstitution ein Prostatakarzinom im Wachstum beschleunigt. Daher und auch wegen anderer möglichen Nebenwirkungen der Testosteronsubstitution sollte der Patient in regelmäßiger Kontrolle bleiben.
Störung der Zeugungsfähigkeit (Fertilitätsstörung)
Die Zeugungsfähigkeit ist eingeschränkt, wenn zuwenig gesunde, gut bewegliche Spermien produziert werden. Als Richtwert für eine normale Spermaqualität gelten folgende Parameter:
- Spermavolumen: ≥ 2ml
- pH-Wert: 7.2 - 8.0
- Spermatozoenkonzentration: > 20 Mio./ml
- Gesamtzahl der Spermatozoen: ≥ 40 Mio.
- Beweglichkeit (Motilität): 50% richtungsorientiert beweglich oder 25% der Spermien schnell progressiv beweglich
- Aussehen (Morphologie): mind. 15% normal geformte Spermien
- Anteil der vitalen Spermatozoen: mind. 50%
Folgende Ursachen können die Spermaqualität beeinflussen:
- Vererbung (z.B. Chromosomenanomalien)
- Varikozele (Krampfadern im Bereich des Hodensacks)
- Verletzung der Hoden (z.B. in Folge eines Unfalls)
- Schadstoffe und Genussmittel (z.B. Nikotin, Alkohol, Umweltgifte)
- besondere Umwelteinflüsse (z.B. übermäßige Wärmeeinwirkung auf die Hoden bei oft angewandten heißen Bädern, Sauna, Arbeitsplatz mit ständiger Hitzeeinwirkung)
- Infektionen (z.B. Mumps Orchitis, Nebenhodenentzündungen bds. mit Verschluss der Transportwege)
- Nicht rechtzeitig korrigierter Hodenhochstand im Kindesalter
- Hodentumore
- Allgemeine Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Gefäßerkrankungen mit Durchblutungsstörungen
Störung des Spermientransportes
In seltenen Fällen sind die Samenleiter nicht durchgängig, so dass die Spermien nicht in das Ejakulat gelangen. Schädigungen der Samenleiter sind möglich durch Verletzung und Operation (z.B. nach Leistenhernien-OP), Infektionen oder einer angeborenen Fehlbildung.
Besteht eine sogenannte Azoospermie (keine Spermien im Ejakulat nachweisbar) kann mittels einer Hodenprobeentnahme untersucht werden, ob Spermien in den Hoden gebildet werden. Spermien können dann ggf. für eine künstliche Befruchtung kryokonserviert (tiefgefroren) werden.
Behandlungen auch in Zusammenarbeit mit der Gynäkologie IVF-Zentrum Augsburg, z.B. Spermiengewinnung aus dem Hoden bei Azoospermie zur TESE.
Behandlung von Potenzstörungen
- Erektile Dysfunktion,
- Vorzeitigen Samenerguss (Ejakulatio praecox)
Bakteriologie
Urinkultur

Besteht der Verdacht auf eine Harnwegsinfektion, wird der Urin auf spezielle Nährmedien aufgebracht und überprüft ob es zu einem Bakterienwachstum kommt. Bei einer Keimzahl von 100.000 Bakterien pro ml Urin ist eine Infektion sehr wahrscheinlich. Die Bakterien werden dann mit speziellen Verfahren weiter identifiziert und ihr Resistenzverhalten gegen die gebräuchlichen Antibiotika untersucht.
Nach dieser Austestung kann dann insbesondere bei bereits gegen Antibiotika resistenten Keime testgerecht das wirksame Antibiotikum verabreicht werden.
Die Qualität sowohl der Bakterienidentifikation als auch der Austestung der Antibiotika wird regelmäßig durch externe Kontrollen (Ringversuche) überprüft.
Spermiogramm

Bei Fertilitätsstörungen steht das Spermiogramm zur Beurteilung der männlichen Zeugungsfähigkeit im Vordergrund. Neben dem Ejakulatvolumen werden auch Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien beurteilt. Außerdem wird der pH-Wert, Fruktosegehalt und die Zähflüssigkeit (Viskosität) des Ejakulats bestimmt. Auch die Farbe oder eine mögliche Besiedlung mit Bakterien kann auf Veränderungen des Spermas hinweisen.
(siehe auch Kapitel Andrologie)
Uroflowmetrie
Die Uroflowmetrie oder Harnstrahlmessung ist eine nicht invasive den Patienten nicht belastende Untersuchungsmethode mit der Störungen der Blasenentleerung untersucht werden können. Der Patient uriniert durch einen Trichter, in dem ein Aufnahmegerät den Harnstrahl und die Harnmenge während des Entleerungsvorganges misst. Der Kurvenverlauf sowie der maximale Harnstrahl liefert dem Arzt Informationen zur Beurteilung der Blasenentleerungsstörung und für die weitere Behandlung.
Urodynamische Untersuchung

Bei der urdynamischen Untersuchung werden die Druckverhältnisse in der Harnblase und im Rektum (Enddarm) fortlaufend registriert. Über den in der Harnblase liegenden Katheter wird die Harnblase mit Flüssigkeit langsam aufgefüllt. So können die Druckverhältnisse der sog. Füllungsphase kontinuierlich abgeleitet werden. Außerdem werden auch die Druckverhältnisse in der Entleerungsphase gemessen. So können Störungen der Blasenfüllung sowie Blasenentleerung weiter differenziert werden.
Bei Harninkontinenz wird zusätzlich der transurethrale (durch die Harnröhre) eingebrachte Messkatheter mit einer definierten Geschwindigkeit herausgezogen. So lassen sich die Länge und der Verschlussdruck der Harnröhre bestimmen. Diese Untersuchung (Harnröhrendruckprofil) erfolgt sowohl in Ruhe, als auch unter Belastung, d. h. Druckausübung auf die Harnblase z. B. durch Husten.
Eine urodynamische Untersuchung sollte bei Verdacht auf neurogene Blasenentleerungsstörungen und erhöhte Harnblaseninnendrucke durchgeführt werden. Auch ist diese Untersuchung vor operativer Therapie einer Belastungsharninkontinenz erforderlich.