Seitenanfang
Seitentitel überspringen

Urologische Gemeinschaftspraxis

Dr. med. Joachim Rothamel
Dr. med. Thomas Nippold
Dr. med. Matthias Fretschner

Annastr. 8-10, 86150 Augsburg, Tel. 08 21 / 51 22 00, Fax 08 21 / 15 74 32
www.urologen-augsburg.de

Seitennavigation Navigation überspringen
Seiteninhalt

Benigne Prostatahyperplasie (BPH) / Prostatavergrößerung

Die Benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine mit zunehmendem Alter vorkommende gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostata). Typische Beschwerden sind zunehmende Probleme beim Wasserlassen (Miktion), ein abgeschwächter Harnstrahl und Restharnbildung bis hin zum Harnverhalt (Wasserlassen nicht mehr möglich). Der Urologe kann die BPH diagnostizieren, indem er die Prostata über den Mastdarm abtastet - also rektal untersucht, eine Ultraschalluntersuchung durchführt sowie den Restharn und den Harnstrahl misst. Entscheidend ist bei der Diagnose die Abgrenzung zum Prostatakarzinom.

Bei der Untersuchung der Prostata ist neben dem rektalen Tastbefund sowie dem Ultraschallbild vor allem der PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) wichtig. Der PSA-Wert wird aus dem Blut bestimmt und ist insbesondere bei der Frühdiagnostik des Prostatakarzinoms entscheidend, da 80% der Prostatakarzinome hierüber entdeckt werden. Sollte bei den Untersuchungen der Verdacht eines Prostatakarzinoms bestehen, sind zur Sicherung der Diagnose Gewebeproben erforderlich, die mittels Prostatastanzbiopsien entnommen werden.

Bei Miktionsbeschwerden aufgrund einer Prostatahyperplasie kann zunächst konservativ, also mit Medikamenten therapiert werden. Beim Versagen der medikamentösen Therapie ist ein operatives Vorgehen sinnvoll. Das am häufigsten eingesetzte Verfahren ist die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P), wobei das überschüssige Prostatagewebe durch die Harnröhre mit einer Schlinge unter Schneidestrom elektrisch abgetragen wird. Alternativ hierzu kommt auch die Lasertherapie in Frage, die insbesondere bei erhöhtem Blutungsrisiko bzw. schlechtem Allgemeinzustand des Patienten eingesetzt wird. Bei sehr großem Prostatavolumen ist auch die offen operative Therapie mit Eröffnung der Harnblase und Ausschälen der Prostata mit dem Finger indiziert.

In diesem Zusammenhang möchten wir darauf hinweisen, dass eine urologische Vorstellung nicht nur bei Beschwerden sinnvoll ist, sondern auch im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung ab dem 45. Lebensjahr empfohlen wird, denn gerade das frühzeitige Erkennen bösartiger Erkrankungen ermöglicht eine erfolgreiche Therapie. Insbesondere das Prostatakarzinom, das lange ohne Beschwerden einhergehen kann, ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes.


Prostatakrebs / Prostatakarzinom

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung beim Mann. Da es erst im fortgeschrittenen Stadium zu Beschwerden kommt, kann der Krebs nur durch Früherkennungs-Untersuchungen rechtzeitig entdeckt und erfolgreich behandelt werden.

Neben dem rektalen Tastbefund der Prostata sowie dem transrektalen Ultraschall ist vor allem der PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) der durch eine Blutentnahme bestimmt werden kann für die frühzeitige Entdeckung eines Prostatakarzinoms wichtig. Sollte aufgrund dieser Untersuchungen der Verdacht eines Prostatakarzinoms bestehen ist zur Sicherung dieser Diagnose eine Prostatastanzbiopsie erforderlich.

Um Prostatakrebs zu behandeln gibt es mehrere Möglichkeiten, die sich nach der Art und dem Stadium des Tumors, sowie nach den individuellen Bedürfnissen des Betroffenen richten:

Zur kurativen Therapie des Prostatakarzinom stehen die Bestrahlung sowie operative Verfahren zur Verfügung. Eine Sonderform der Bestrahlung ist die sogenannte Brachytherapie, hier werden kleine Strahlenträger (Seeds) in die Prostata eingebracht und bestrahlen die Prostata direkt von ihrer Lokalisation aus. Diese Therapie ist jedoch nur in frühen Stadien des Prostatakarzinoms sinnvoll.

Bei den operativen Therapieformen gibt es unterschiedliche Zugangswege und Operationsverfahren. Neben der operativen perinealen, sowie retropubischen Prostatektomie (Zugangsweg durch Perineum bzw. durch Unterbauchschnitt) werden auch laparaskopische OP-Techniken angeboten. Eine Sonderform hierzu ist die Roboter assistierte laparaskopische Prostatektomie.

In Abhängigkeit des Alters und des Allgemeinzustandes des Patienten kann auch ein kontrolliertes Abwarten sinnvoll sein.


Urolithiasis

Harnblasensteine

Harnblasensteine bilden sich in der Regel meist dann, wenn Blasenentleerungsstörungen vorliegen. Die Symptome umfassen ein Wasserlassen mit Abbruch des Harnstrahls, Schmerzen beim Wasserlassen, Blutbeimengung zum Urin. Die Steine werden meist bei Ultraschalluntersuchungen entdeckt und können endoskopisch (über die Harnröhre) entfernt werden. Größere Steine werden zunächst in der Harnblase zerkleinert und die Steinfragmente entfernt.

In der Regel ist auch eine Behandlung der Prostata erforderlich, da die Blasensteine wie bereits erwähnt oft Ausdruck einer Blasenentleerungsstörung bedingt durch eine Prostatahyperplasie (BPH) sind.

Nierensteine / Harnleitersteine

Nierensteine entstehen durch das Auskristallisieren von Substanzen, die normalerweise im Urin gelöst sind. Die Entstehungen der Nierensteine sind sehr komplex und bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt. In jedem Fall spielen Ernährung und Trinkmenge eine große Rolle, aber auch Harnwegsinfektionen und verschiedene Stoffwechselerkrankungen können zu Nierensteinbildung führen.

Die Beschwerden bei Nierensteinen sind abhängig von der Lage und der Beweglichkeit der Steine. Häufig bleiben Nierensteine unentdeckt oder sind ein Zufallsbefund. Sie können jedoch auch zu einer Nierenkolik führen, die durch starke Schmerzen im Rücken-, Flanken- oder Unterbauchbereich gekennzeichnet ist. Die Diagnose wird in erster Linie durch Ultraschall- und Röntgenuntersuchung der ableitenden Harnwege gestellt. Wichtigste Maßnahmen bei der Behandlung einer akuten Nierenkolik sind die adäquate Schmerztherapie und das Beseitigen einer möglichen Harnstauung. Geht ein Nierenstein nicht spontan mit dem Urin ab, oder ist seine Größe für einen Spontanabgang nicht geeignet, können die Steine durch eine Stoßwellentherapie von außen (ESWL/EPL) zertrümmert oder zerkleinert werden. Bei großer Steinlast im Bereich der Niere kann eine perkutane Litholapaxie (PNL) durchgeführt werden. Hierbei wird das Nierenbecken von außen punktiert, ein Kanal zum Nierenbecken geschaffen, über den die Steine mit dünnen Instumenten zerkleinert und geborgen werden. Auch eine Behandlung über den Harnleiter zum Nierenbecken bis in die Nierenkelche ist mit einem flexiblen Ureterorenoskop möglich, wobei die Steine mit einem Laser zerkleinert werden können.

Darüber hinaus muss die Ursache die zur Bildung der Nierensteine geführt hat behandelt werden. Die wichtigste Maßnahme zur allgemeinen Vorbeugung von Nierensteinleiden ist eine ausreichende Trinkmenge.

Bleiben Steine im Harnleiter stecken, spricht man von Harnleitersteinen. Diese können wie oben beschrieben auch zu einer Harnabflussstörung führen, die bei längerem Auftreten zu einer Nierenschädigung führen kann. Harnleitersteine werden in der Regel endoskopisch (mit dünnen Geräten über Harnröhre und Harnleiter) behandelt und entfernt. Auch hier ist eine ESWL, EPL möglich.


Entzündungen

Nierenentzündung

Die Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist die wesentlichste und häufigste Erkrankung der Nieren. Sie ist gekennzeichnet durch eine Entzündung der Glomeruli, der Nierenkörperchen, welche sich in der Nierenrinde befinden. Der Glomerulus ist ein Knäuel von etwa fünfzig parallel geschalteten Kapillarschlingen, die am Gefäßpol mit einem zuführenden und einem abführenden kleinen Gefäß in Verbindung stehen. Dieses Gefäßknäuel ist der Ort der Filtration des Bluts. Da es sich bei der so genannten Glomerulonephritis um unterschiedliche Erkrankungen handelt, die zum Teil verschiedene Ursachen haben und im medizinischen Sinne nicht die typischen Zeichen einer Entzündung aufweisen, ist der allgemeine Begriff der Glomerulopathie dem der Glomerulonephritis vorzuziehen.

Durch unterschiedliche Einteilungsprinzipien wird das Verständnis der Glomerulopathie erschwert. Diese kann nach dem klinischen Erscheinungsbild, nach der Krankheitsursache, der Entstehungsweise und hinsichtlich ihrer krankhaften Gewebsveränderungen vorgenommen werden.
Im Gegensatz zur Nierenbeckenentzündung, die durch Bakterien verursacht wird, haben die unterschiedlichen Krankheitsbilder, die unter dem Oberbegriff Glomerulopathie zusammengefasst werden, weder eine einheitliche Behandlung, noch ist die Prognose hinsichtlich der Nierenfunktion einheitlich. Bestimmte Formen der Nierenentzündung verlaufen ohne eine wesentliche Einschränkung der Nierenfunktion. Bei anderen dagegen kann es zum totalen Ausfall der Nierenfunktion innerhalb nur weniger Tage und Wochen mit Ausbildung eines lebensbedrohlichen Krankheitszustands kommen.

Nierenbeckenentzündung

Bei der Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) handelt es sich um eine akute oder chronische Entzündung des Nierenbeckens, die meist durch eine bakterielle Infektion verursacht wird. Charakteristisch für eine Nierenbeckenentzündung sind Schmerzen in der Flankengegend, sowie erhöhte Termperatur. Außerdem ist auch fieberbedingt der Allgemeinzustand verschlechtert. Besteht eine Nierenbeckenentzündung im Sinne einer Harnabflussstörung (z. B. Stein) muss eine sofortige Harnableitung erfolgen, ansonsten droht eine lebensgefährliche Urosepsis mit Einschwemmung der Erreger ins Blut. Eine Nierenbeckenentzündung wird antibiotisch behandelt, auch hier sollte ein Erregernachweis im Urin ggf. auch im Blut erfolgen.

Blasenentzündung

Die Blasenentzündung (Zystitis) wird meist durch eine Infektion mit so genannten gramm-negativen Bakterien, insbesondere dem Erreger E. coli, hervorgerufen. Vor allem Frauen sind von der bakteriellen Zystitis betroffen, da deren kurze Harnröhre das Aufsteigen von Keimen begünstigt. Darüber hinaus spielen für die Entstehung einer bakteriellen Zystitis auch Harnabflussbehinderungen, z.B. durch Prostatahyperplasie mit Restharnbildung eine Rolle.

Die bakterielle Zystitis wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Dabei kann eine testgerechte antibiotische Therapie nach bakterieologischer Untersuchung des Urins durchgeführt werden. Neben der Antibiose ist auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten, außerdem sollten evtl. bestehende Harnabflussstörungen beseitigt werden.

Als Rezidivprophylaxe hat sich die Einnahme von Preiselbeerextrakt bewährt, außerdem sollte eine Kälteexposition gemieden werden.

Als Sonderform einer Blasenentzündung ist die Strahlenzystitis oder eine Blasenentzündung nach Chemotherapie zu erwähnen.

Prostataentzündung (Prostatitis)

Neben der akut bakteriellen Prostatitis, sowie chron. bakteriellen Prostatitis, die meist durch E. coli bedingt sind und durch Antibiose behandelt werden können, wird auch das Chronic-Pelvic-Pain-Syndrom unter diesem Überbegriff geführt. Hierbei handelt es sich um chronisch rezidivierende Schmerzen von mehr als 6 Monaten. Die Entstehung bzw. der patho-physiologische Hintergrund dieses Schmerzsyndroms ist unklar, es lässt sich meist kein Korrelat für die angegebenen Schmerzen feststellen. 30% der chron. Schmerzpatienten entwickeln Depressionen, andererseits haben Patienten mit Depressionen eine verminderte Schmerzschwelle.

Nach Ausschluss eines Tumors, bzw. einer floriden Entzündung ist eine Schmerztherapie sowie Einsatz von Alpha-Blockern sinnvoll. Anosonsten orientiert sich die Behandlung an der Symptomatik und kann oft langwierig und schwierig sein.

Hodenentzündung

Die Hodenentzündung (Orchitis) ist eine Erkrankung des Hodens, die meist durch virale oder bakterielle Erreger ausgelöst wird. Die häufigste Ursache ist die Mumpsorchitis, die im Rahmen einer Mumpsinfektion als Komplikation auftreten kann. Des Weiteren kommen andere Erreger und seltener autoimmune Erkrankungen als Auslöser der Hodenentzündung infrage.
Die Betroffenen klagen v.a. im akuten Stadium über Hodenschwellung, Schmerzen, Fieber und allgemeine Krankheitssymptome.

Die Hoden sind angeschwollen und die Haut über dem Hodensack ist gerötet. Eine Abgrenzung der Hodenentzündung zu anderen Erkrankungen wie Hodentorsion, akuter Nebenhodenentzündung oder Hodentumoren, gelingt durch Blutuntersuchungen, Erregernachweise und Ultraschall. Selten muss der Hoden, zur Absicherung der Diagnose, zusätzlich operativ freigelegt werden.

Eine Hodenentzündung wird je nach auslösender Ursache behandelt. Bei viralen Entzündungen werden hauptsächlich unterstützende Maßnahmen wie Bettruhe, Hochlagerung und Kühlung des Hodensacks angewendet. Ebenso die Gabe von antientzündlichen Medikamenten wirkt sich positiv auf den Verlauf der Hodenentzündung aus. Bei einer Mumpsorchitis kann die Gabe von Interferon sinnvoll sein.

Nebenhodenentzündung (Epididymitis)

Unter einer akuten Nebenhodenentzündung versteht man eine in den meisten Fällen durch Bakterien hervorgerufene Infektion des Nebenhodens (Epididymis). Diese kann begleitet werden durch eine gleichzeitige Entzündung des Hodens. Meist besteht eine aufsteigende Infektion über die Samenleiter im Rahmen eines Harnwegsinfektes. Seltener sind Infektionen auf dem Blutweg.
In seltenen Fällen kann eine Epididymitis auch im Rahmen einer Autoimmunerkrankung auftreten.

Die Nebenhodenentzündung führt zu einer zunehmenden Schwellung und Schmerzhaftigkeit des betroffenen Nebenhodens. Bei einem weiteren Fortgang der Infektion kommen Allgemeinsymptome wie Fieber, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit hinzu. Als Komplikation der Nebenhodenentzündung kann es zu einer Abszessbildung (Eiteransammlung) bis hin zu einer Sepsis (Blutvergiftung) kommen.

Die Therapie der bakteriellen Epididymitis besteht in einer möglichst frühzeitigen Gabe von Antibiotika, sowie der Gabe von entzündungshemmenden und abschwellenden Medikamenten. Als weitere Lokalbehandlung sollte der Nebenhoden kühl und hoch gelagert werden. In der Regel heilt eine Nebenhodenentzündung unter diesen Maßnahmen gut ab. Allerdings kann je nach Schwere der Entzündung oder bei inkonsequenter Behandlung eine akute Nebenhodenentzündung einen chronischen Verlauf nehmen. Bei beidseitiger Nebenhodenentzündung kann es durch einen beidseitigen Verschluss der Nebenhodenkanälchen zur Unfruchtbarkeit (Verschlussazoospermie) kommen.

Harnröhrenentzündung (Urethritis)

Neben der spezifischen Harnröhrenentzündung mit Gonokokken (Gonorrhoe) können auch andere Erreger eine Harnröhrenentzündung hervorrufen.
Bei Verdacht auf Chlamydien oder Mykoplasmen, die ebenfalls durch Sexualkontakt übertragen werden können sind spezielle Nachweisverfahren erforderlich.

Auch nicht infektiöse, allergische Reizungen können zu einer Harnröhrenentzündung führen. Zu den allgemeinen Symptomen der Harnröhrenentzündung gehören Ausfluss, Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen. Eine Urethritis insbesondere mit Chlamydien oder Mykoplasmen kann jedoch auch asymptomatisch verlaufen oder nur ein unangenehmes Gefühl beim Wasserlassen verursachen.
Die Therapie der Harnröhrenentzündung richtet sich nach deren Genese (Ursache). Es erfolgt je nach Erregernachweis eine antibiotische, bzw. antimykotische Therapie.

Vorhautentzündung (Posthitis)

Als Vorhautentzündung (Posthitis) bezeichnet man eine Entzündung der Vorhaut des männlichen Glieds. Eine Entzündung der Eichel (Balanitis) tritt meist zusammen mit einer Entzündung des inneren Vorhautblatts auf und wird dann als Balanoposthitis bezeichnet.

Das Smegma (die Absonderung von Eichel und Vorhaut, bestehend aus Drüsensekret der Talgdrüsen, abgestorbenen Hautzellen sowie Urin- und Spermarückständen) sammelt sich insbesondere bei mangelnder Hygiene lokal an und bildet so den Nährboden für jede Art von Erregern. Ist die Vorhautentzündung mit einer Verengung der Vorhaut (Phimose) verbunden, sollte die Vorhaut operativ entfernt werden. Ansonsten sollte eine antibiotische bzw. antimyktotische Therapie durchgeführt werden.

Eine lokale Therapie von Eichel und Vorhaut mit Kamillebädern und desinfizierenden Salben sollte unterstützend hinzukommen.


Harnblasenkrebs (Harnblasenkarzinom)

Etwa drei Prozent aller bösartigen Tumore sind Harnblasenkarzinome. Sie treten gehäuft im höheren Lebensalter auf, bei Männern etwa drei- bis viermal häufiger als bei Frauen. Chronische Blasenentzündung, Zigarettenrauchen und bestimmte Chemikalien bzw. Medikamente begünstigen ihre Entstehung.
Eine meist schmerzlose Blutbeimengung im Urin ist das Haupt- und Frühsymptom des Blasenkrebses. Blut im Urin ist - ohne Fieber oder eindeutigen Harnwegsinfekt - immer tumorverdächtig. Um die Krankheit nachzuweisen, ist die Blasenspiegelung (mit evtl. Entnahme von Gewebeproben) die wichtigste Untersuchung.

Besteht der Verdacht eine Blasenkarzinoms, ist zunächst die transurethrale Resektion des Blasentumor (TUR-B) erforderlich. Hierbei wird mit einer elektrischen Schlinge der Tumor über die Harnröhre reseziert und entfernt. Dabei kann festgestellt werden wie weit der Tumor die Harnblase bereits infiltriert hat. Bei oberflächlichen Tumoren ist die TUR-B ausreichend um den Blasentumor zu entfernen, bei fortgeschrittenen Stadien muss meist die Harnblase komplett entfernt werden und der Urin abgeleitet werden (z. B. über Neoblase = Blasenersatz durch Darmsegmente). Das weitere Vorgehen richtet sich auch nach der Ausbreitung des Tumors (Fernmetastasen z. B. in Knochen, Leber oder Lunge) und dem Allgemeinzustand des Patienten.

BeiEntfernung von oberflächlichen Tumoren mittels TUR-B ist eine Nachsorge dringend erforderlich, da diese Tumoren zum Wiederkehren (Rezidiv) neigen. Zur Senkung des Rezidivrisikos stehen Blaseninstillationen mit Chemotherapeutika (z. B. Mitomycin) oder Instillation von speziellen Tuberkel-Bakterien (z. B. BCG) zur Verfügung.


Harninkontinenz

Ungewollter Urinabgang, allgemein auch als Blasenschwäche bezeichnet, ist vor allem bei Frauen ein häufiges Problem. Ca.10-20% aller Frauen leiden unter regelmäßig auftretender Inkontinenz, wobei keineswegs nur ältere, sondern auch viele jüngere Frauen (z.B. nach Schwangerschaften) betroffen sind. Auch bei Männern tritt eine Harninkontinenz insbesondere im fortgeschrittenen Alter auf.

Die zwei wichtigsten Formen der Harninkontinenz sind die Belastungsinkontinenz und die Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz).
Es ist wichtig herauszufinden, welche Form der Inkontinenz vorliegt, da unterschiedliche Behandlungskonzepte zum Erfolg führen. Bei der Belastungsinkontinenz können Beckenbodengymnastik lokales Aufbringen von Hormompräparaten um die Harnröhrenmündung oder die medikamentöse Therapie mit Yentreve ® zum Erfolg führen, ansonsten stehen auch operative Maßnahmen zur Verfügung (z. B. Einlage eines Bandes, um die Harnröhre, TVT/TOB) um die Inkontinenz zu beseitigen.

Bei der Dranginkontinenz steht die medikamentöse Therapie meist mit Anticholinergika im Vordergrund. Selten ist die Injektion von Botulinumtoxin in die Harnblasenwand erforderlich und nur in Ausnahmefällen werden operative Maßnahmen zur Vergrößerung des Harnblasenvolumens durchgeführt.
Der Leidensdruck ist für die Betroffenen im Allgemeinen sehr hoch. Meist legen sie sich im Umgang verschiedene Strategien zu: So wird vor jedem Kinofilm noch einmal die Toilette aufgesucht oder beim Betreten eines Kaufhauses als Erstes erkundet, wo sich das WC befindet.

Vielen Betroffenen fällt es schwer über dieses Problem zu reden. Viele glauben, sie müssten sich mit diesem Leiden abfinden, da es keine Therapiemöglichkeiten gäbe. An dieser Stelle sei nochmals erwähnt, dass das Problem der Inkontinenz viele Frauen betrifft und Therapiemöglichkeiten vorhanden sind.


Enuresis

Kinder lernen etwa ab dem 2. Lebensjahr ihre Blase zu kontrollieren. Das Zusammenspiel von Nierenfunktion, Blasenfüllung und Steuerung der Blasenmuskulatur stellt einen komplexen Schritt für das heranwachsende Nervensystem des Kindes dar.

Jedes Kind braucht individuell lange, bis diese Reifung abgeschlossen ist und die Tage und Nächte trocken sind. Wenn eine körperliche Erkrankung als Ursache ausgeschlossen ist, so sollten sich Eltern bis etwas zum 5. Lebensjahr über Einnässen keine Sorgen machen, Geduld ist gefragt, meist löst sich das Problem von selbst.

Wenn das Kind nach dem 5. Lebensjahr noch regelmäßig einnässt, besteht häufig eine Störung die ärztlich abgeklärt werden sollte. Einnässen in der Nacht ist mit einem hohen Leidensdruck verbunden, die Kinder schämen sich, können nicht bei Freunden übernachten oder haben Angst vor Schulausflügen. Oft wird versucht, die Probleme zu verheimlichen. Dabei kann Einnässen meist erfolgreich behandelt werden und damit das Leiden des Kindes behoben werden.

Das Krankheitsbild Enuresis liegt vor, wenn die folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Einnässen nach dem 5. Lebensjahr
  • Einnässen tritt über einen Zeitraum von über 3 Monaten auf: unter 7 Jahre mind. 2 Mal im Monat, bei älteren Kindern 1 Mal im Monat

Es besteht keine zugrunde liegende organische Erkrankung, die Störung wird je nach Zeitpunkt des Einnässen in die Enuresis diurna (tagsüber), Enuresis nocturna (nachts) oder Enuresis diurna et nocturna (tagsüber und nachts) eingeteilt.

Man unterscheidet zwischen primären und sekundärem Einnässen. Bei der primären Enuresis ist das Kind noch nie dauerhaft trocken gewesen, nässt ein Kind wieder ein, nachdem es über 6 Monate trocken dar, bezeichnet man dies als sekundäre Enuresis. Diese Unterscheidungen sind im Hinblick auf die diagnostische Einschätzung des Krankheitsbildes und der Behandlung wichtig.


Äußere Genitale

Phimose

Unter einer Phimose versteht man eine angeborene (primäre) oder erworbene (sekundäre) Verengung der Vorhaut, so dass die Vorhaut nicht oder nur unter Schwierigkeiten über die Glans (Eichel) zurückgezogen werden kann. Bei einer Phimose wird die Vorhaut operativ entfernt (Circumcision) bei relativer Phimose (insbesondere bei Kindern) kann ein konservativer Versuch mit entsprechenden Salben und regelmäßiger Dehnung in warmem Wasser versucht werden.

Eine Komplikation die bei einer unbehandelten Vorhautverengung auftreten kann, ist die sogenannte Paraphimose (Einengung im Bereich der Krankfurche durch zurück geschobene enge Vorhaut) die im weiteren Verlauf zu Durchblutungsstörungen der Eichel führen kann und daher dringend behandelt werden muss.

Hydrozele

Unter einer Hydrocele versteht man eine Flüssigkeitsansammlung im Hodensack, sie entsteht entweder primär während der embryonalen Entwicklungsphase oder sekundär aufgrund anderer urologischer Ursachen.

Die Symptome der Hydrocele sind in der Regel gering ausgeprägt, häufig im Frühstadium asymptomatisch, d. h. ohne Beschwerden. Mit zunehmender Größe sind allerdings Druck- und Schweregefühl möglich.

Eine Ultraschalluntersuchung führt in der Regel schnell zur Diagnose. Die Therapie der Hydrocele (operative Beseitigung) ist nicht zwingend erforderlich und sollte sich nach der Beschwerdesymptomatik sowie den kosmetischen Erwartungen des Patienten richten.

Varikozele

Bei einer Varikozele handelt es sich um eine Erweiterung der Venen und des Venengeflechts im Hodensack die meist linksseitig auftritt. Die Ursache ist eine Störung des Venenabflusses, so dass insbesondere im Stehen das venöse Blut in den Venen des Hodensacks zurückfließt und staut. Eine Varikocele tritt vornehmlich bei Männern im Alter zwischen 15. und 25. Jahren auf, lt. Angabe der dt. Gesellschaft für Urologie haben ungefähr 15% der erwachsenen Männer eine Varikocele. Bei Jugendlichen sind zumeist 5% betroffen.

Selten ist eine Varikocele bedingt durch eine Raumforderung im Retroperitoneum (sog. symptomatische Varikozele). Daher sollte bei jeder Varikozele auch eine Ultraschallkontrolle der Nieren und des Retroperitoneums erfolgen.

Da der Hoden durch die vermehrte Blutansammlung in den erweiterten Venen wärmer ist als üblich, kann die Spermiogenese hierdurch gestört werden. Auch wenn derzeit noch nicht eindeutig wissenschaftlich erwiesen ist, dass die Behandlung einer Varikozele definitiv zur Verbesserung beiträgt, sollte insbesondere im jugendlichen und jungen Erwachsenenalter eine Varikozele beseitig werden.

Spermatozele

Eine Spermatozele ist eine spermatozoenenthaltende Zyste, im Bereich des Nebenhodens seltener vom Samenstrang ausgehend. Sie bildet sich meist durch eine Abflussbehinderung und kann von außen getastet werden. Die Größe kann sehr variieren (Stecknadelkopfgröße bis Größe einer Grapefruit).

Die Therapie besteht in der operativen Entfernung. Besteht noch Kinderwunsch sollte die Indikation zur OP zurückhaltend gestellt werden.


Hodenkarzinom (Hodenkrebs)

Das Hodenkarzinom ist eine seltene, bösartige Erkrankung des Hoden. Von etwa 100.000 Männern sind etwa 7 pro Jahr betroffen, überwiegend junge Männer. Der Hodenkrebs entwickelt sich aus den Keimzellen des Hodens, das ist das Gewebe, aus dem die Samenzellen (Spermien) hervorgehen. Die Ursachen die zum Hodenkrebs führen, sind noch nicht gänzlichst aufgeklärt, einige Risikofaktoren sind jedoch bekannt, so z.B. ein Hodenhochstand sowie angeboren genetische Veranlagung zur Bildung eines Hodentumors.

Die schmerzlose harte überwiegend einseitige Schwellung des Hodens ist ein Hauptsymptom bei Hodenkarzinom. Sie wird vom Patienten selbst oder von der Partnerin des Patienten getastet.

Bei der Therapie des Hodenkarzinoms wird der Hoden zunächst über einen Leistenschnitt entfernt um ihn möglichst hoch und im gesunden abzutrennen. Die weitere Therapie (nur Kontrollen/Bestrahlung/Chemotherapie/weitere Operation) ist von der Histologie (feingewebliche Untersuchung) des Hodentumors (Seminom/nicht Seminom) sowie einer eventuell feststellbaren Metastasierung (Streuung des Tumors) abhängig.

Die Prognose des Hodenkarzinoms ist gut bis sehr gut, selbst bei metastasierendem Hodenkarzinom ist eine Heilung möglich. Jedem Mann zwischen den 15. und 40. Lebensjahr ist anzuraten, die Hoden regelmäßig selbst abzutasten und bei entsprechenden Auffälligkeiten einen Urologen aufzusuchen.

Zurück zum Seitenanfang